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am 2. Februar

Die Dringlichkeit einer Bausperre

Jürgen Kainz - Nicht erst seit 2015 wird darüber diskutiert, wie der Zuzug so geregelt werden kann, dass er Gänserndorf nicht überfordert - auch wenn das Thema 2015 mit dem ÖVP Wahlkampfslogan „Bevölkerungsexplosion stoppen“ einen gewaltigen Aufschwung erlebte.

Seit dem wurden Bausperren verhängt und Bauklassen überarbeitet, um die Gebäudehöhe und damit auch die BewohnerInnenzahl zu lenken. 

Allen Maßnahmen zum Trotz ist Gänserndorf weiter gewachsen. Die Grundstücke sind schon seit ewigen Zeiten umgewidmet und irgendwann endet jede Bausperre. 

Auch in Gänserndorf Süd gibt es schon länger verschiedene Einschränkungen um den Wildwuchs an Gebäuden in den Griff zu bekommen. Mancherorts soll verdichtet gebaut werden, also zB rund um Schule und Kindergärten, anderswo lieber nicht. Da soll der dörfliche Charakter gewahrt bleiben.

Natürlich gibt es immer wieder findige Bauträger, die das für sie gewinnbringendste herausholen wollen - und das ist nicht immer das beste für Gänserndorf.

Doch jetzt zur Dringlichkeit einer neuen kompletten Bausperre für ganz Gänserndorf-Süd. Am Montag wurde mit einer gratis Zeitung auch gleich ein Brief des Bürgermeisters ausgeteilt, in dem er erklärte, dass am Mittwoch eine Bausperre beschlossen werden soll. Bis zu dieser Sitzung war das Thema zwar in sämtlichen Zeitungen - der Gemeinderat war in die diesem radikalem Schritt vorangehenden Überlegungen aber nicht einbezogen worden.

Gelegenheiten dafür hätte es genug gegeben. Ausschüsse finden immer knapp vor den Gemeinderatssitzungen statt, eine Woche vor jeder Gemeinderatssitzung tagt der Stadtrat. Dabei wird die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung vom Bürgermeister besprochen und festgelegt.

Der offene Brief des Bürgermeisters ist mit Freitag, den 25.1. datiert. Da muss der Brief allerdings schon beim Verteiler gewesen sein, damit er Montag mitgenommen werden konnte. Selbst wenn der Brief am Donnerstag geschrieben und gedruckt worden wäre, hätte der Bürgermeister am Mittwoch in der abendlichen Runde der Stadträte darüber sprechen können.

Doch -  wie schon erwähnt - die Entscheidungsträger wurden nicht vorab informiert. Es hat keinerlei Beratung zu dem Thema stattgefunden.

Dabei könnte man tatsächlich lenkend eingreifen. Wir hätten diskutieren können, welche Maßnahmen die Qualität der Wohnbauten so heben, dass Verschachtelung keine Option für potentielle Bauträger ist. Einfach, weil die Menschen, die so hochwertige Wohnungen beziehen auch schön leben wollen. Der verpflichtende Einbau von Wärmepumpen oder einfach Fassadenbegrünung ab einer gewissen Baugröße, Gründächer, Regenwassernutzung und Photovoltaik fallen uns dazu spontan ein. Dann wäre da noch eine Möglichkeit die Bodenverdichtung nur bis zu einem vorher festgelegten Prozentsatz zuzulassen, um so Grünräume und offene Flächen zu erhalten.

Zusammengefasst geht es dabei um Maßnahmen die Bauträger zu klimaneutralen Wohnhäusern verpflichten. Das wäre natürlich überall sinnvoll. Doch jetzt wurde mehrheitlich eine radikale Bausperre für die Hälfte der Gemeinde beschlossen. Ohne Lockerung für nachhaltige Bauwerke.

Qualität statt Quantität und Bausperren - auch für Gänserndorf Süd!