Navigation:
am 23. Juni 2018

Wenn uns die Geschichte einholt...

Jürgen Kainz - 2018 gedenken wir 1918, 1938, 1948 und - wenn wir ein bisschen verwegen sind auch - 1968, weil die Ereignisse dieser Jahre uns bis heute beeinflussen.

Wir gedenken dem Anschluss mit allem was dazu gehört. 1938 mussten Juden ihre Vermögenswerte offiziell melden, Rechtsgeschäfte mit Juden mussten eigens genehmigt werden, die Nürnberger Rassengesetze traten in Kraft. Die Synagoge war  gerade 49 Jahre alt. 

1940 ging sie dann ins Eigentum der Gemeinde über. Ohne größere Schäden konnte sie nach dem Krieg als Musikschule, Kindergarten, Schule​ und aktuell als Jugendzentrum verwendet werden.

Dafür waren diverse Umbauten notwendig. Die auffällig geschwungenen Fenster mussten den üblichen viereckigen weichen, diverse Mauern wurden versetzt, neue Böden gelegt.

Auch die Fassade wurde 1975 von den Stuckarbeiten befreit und begradigt. 2010 wurde die Fassade nochmal überarbeitet. In die Erhaltung investiert wurde nichts mehr.

All diese äußerlichen Änderungen haben keinen Einfluss auf die grundsätzliche Bestimmung des Gebäudes. Die jüdische Gemeinde Gänserndorf hat sich in ihrer Heimatgemeinde eine Synagoge errichtet, die sie nicht freiwillig verlassen hat. 

Rein juristisch gehört das Gebäude der Gemeinde. Haben wir deshalb das moralische Recht dieses sakrale Gebäude auszulöschen um einen Parkplatz zu errichten? 

Geschichte wird nicht besser, nur weil man ihre Spuren beseitigt. 

Unterschriftenliste