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am 18. November

Unwissenheit schützt nicht

Beate Kainz - Wo genau ist eigentlich das „rechte Eck“ und wer kann „uns“ dorthin stellen?

Das Bundesdenkmalamt hat einen Bescheid erstellt, den wir alle nicht kennen. Nicht der Gemeinderat, nicht die Stadträte. Während es kein Problem war die spontane Unterschutzstellung Anfang der Sommerferien auch schriftlich vom Land NÖ zu bekommen, erklärt man sich inzwischen dort für nicht zuständig.

Natürlich hat auch den ersten Bescheid das BDA erstellt und nicht die niederösterreichischen Landesbediensteten, aber diesmal wird man ans BDA verwiesen. Auch dort muss offensichtlich noch geprüft werden, wie viel Öffentlichkeit ein geschütztes öffentliches Gebäude verträgt. Die Anfrage wird daher an die Rechtsabteilung weitergeleitet.

Man kann also davon ausgehen, dass auch der Regionaut der Bezirksblätter, der die ehemalige Synagoge mit einem WC aus Bad Tölz vergleicht, nicht nachlesen konnte aus welchen Gründen die beiden Gebäude geschützt worden sind. 

Er dürfte nach den architektonischen Besonderheiten suchen, die vermutlich – wie die Rundbögen von Fenstern und Türe – unter dem neuen Verputz verborgen sind, bzw bereits vor Jahren entfernt wurden.

Jetzt besteht aber die Möglichkeit, dass die beiden Gebäude auch wegen ihrer kulturellen Bedeutung geschützt worden sind.

Zur Erinnerung: Bis zu dem Zeitpunkt an dem Gänserndorf für judenfrei erklärt wurde, hat es hier eine aktive jüdische Gemeinde gegeben. Diese hat sich ein Bethaus errichtet. Egal ob Menschen gläubig sind oder nicht: In Österreich gilt die Religionsfreiheit. Diese umfasst auch die dazugehörigen Gebäude. Eine Synagoge ist wohl der kirchlichen Religionsausübung geweiht. Der Umgang mit diesen Gebäuden ist keine optische Frage, sondern eine der Pietät.