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am 5. Dezember

Nichts bemerkt? - Ein gutes Zeichen!

Margot Linke - Die Wohngemeinschaften für junge Flüchtlinge in Gänserndorf wurden aufgelöst. Bis dahin hat es zwei WGs für unter 18jährige und eine für Volljährige gegeben. Gerade jetzt, wo die ersten Stacheldrähte um Jugendliche gespannt wurden, ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass es in jedem Fall um Menschen geht.

Die Schulpflichtigen gingen in Gänserndorf in die Mittelschule oder ins Poly, die älteren besuchten D-Kurse. Ihre Freizeit verbrachten sie am Funpark, im Jugendzentrum, im Fußball- und Judoverein oder im Fitnesscenter. Ganz normale Jugendliche halt. 

Obwohl: Alle WG-Bewohner samt Betreuern hatten sich in den vergangenen Jahren an der jährlichen Flurreinigung der Stadtgemeinde Gänserndorf beteiligt.

Einige der älteren Burschen konnten sich im Rahmen gemeinnütziger Arbeit beim Bauhof der Gemeinde ein bisschen Taschengeld dazu zu verdienen, wenn sie zwischen den D-Kursen Zeit hatten. Die Wohngemeinschaften waren durchgehend betreut. Aber  auch Freiwillige besuchten regelmäßig die WGs, um mit den Burschen zu lernen, zu spielen und zu plaudern. Denjenigen, die regelmäßige Kontakte pflegten, tut es besonders weh, dass ihre Schützlinge wie Schachfiguren versetzt wurden. Den Betreuern und den vielen engagierten freiwilligen Unterstützern ist es letztendlich zu verdanken, dass die Integration so reibungslos funktionierte, dass sie „keinem wirklich aufgefallen“ sind.

Wirklich schade, dass sie jetzt, wo sie sich gut eingelebt haben, Deutsch sprechen können, mitten in ihrer Ausbildung (ob Schule, Lehre oder Kurs) nicht mehr da sind. Sie wissen, dass sie gut unterstützt wurden und sie wollten das auch zurückgeben.

Aber scheinbar will Österreich das nicht. Inzwischen sperren wir Jugendliche weg, damit wir sie mit Volljährigkeit in kriegsführende Länder bringen können. Wir schieben Lehrlinge ab, um zeitgleich neue Arbeitskräfte per Greencard ins Land zu holen.

Abseits all der populistischen Maßnahmen geht die gelungene Integration unter. Wenn sie gelingt, verläuft sie unauffällig und leise - und das ist aktuell wohl ihr größtes Problem! 


Zielpunkt-Gelände: Bevor noch die Bagger anrollten, wurden die Schneeglöckchen ausgegraben
Flurreinigung
gemeinsames Kochen
Reis vom Weltladen