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am 3. November

Bodenschätze - Fluch oder Segen?

Beate Kainz - Die GRÜNEN des Bezirks haben zum Pressegespräch nach Groß-Enzersdorf geladen. Der dabei entstandene Dialog brachte einige neue Erkenntnisse aber auch Bestätigungen.

Anfang diesen Jahres wurden in der Bezirkshauptstadt die Geophone für die seismischen Messungen eingesammelt, im Oktober desselben Jahres wieder ausgelegt – dabei wurde Gänserndorf nicht einmal im aktuellen Edikt erwähnt. Sicher ist: In den Tiefen des Weinviertels verbergen sich noch einige Bodenschätze. Die Frage ist vermutlich nur, ab wann es wirtschaftlich wird sie zu Tage zu fördern.

Wir haben für unser Pressegespräch Groß-Enzersdorf gewählt, um den möglichen positiven Aspekt hervorzuheben. Ganz im Süden des Bezirks geht es nämlich um heiße Quellen. Geothermie als Energiequelle für Wien und sein direktes Umland könnte eine Alternative zu den gebräuchlichen fossilen Brennstoffen werden. Wenn hydrothermale Geothermie möglich ist. Denn petrothermale Geothermie ist grundsätzlich abzulehnen. Die Technologie dabei ist im Prinzip dieselbe, die bei Schiefergasbohrungen angewendet wird, womit auch die Nebenwirkungen und Gefahren ähnliche sind.

Andy Vanek, Klimaschutz-Stadtrat Groß-Enzersdorf: „Beim U-Bahnbau wird die Beweissicherung vom Bauwerber durchgeführt. Alle betroffenen Gebäude werden vorher untersucht und dokumentiert. Hier bürdet man diese Aufgabe dem Bürger auf. Das ist nicht fair! Auch mit dem aktuell geplanten Standortentwicklungsgesetz verringert sich unser Mitspracherecht im Verfahren und alles wird möglich – wir müssen wachsam bleiben.“

Auch das traditionell bearbeitete und bereits mehrfach geologisch durchleuchtete Gebiet weiter nördlich wird wieder vermessen. Abfackelungsanlagen, Bohrhämmer und -türme zeugen von Öl- und Gasförderungen. Dass es in diesem Gebiet um warmes Wasser geht, ist schwer zu glauben. Beate Kainz: „Umso nördlicher, umso Schiefergas. Die Technologie ist vorhanden, wurde nach eigenen Aussagen auch bereits erprobt. Die unterirdische Landkarte wird mit jeder Messung vollständiger. Uns muss klar sein, dass wir weder informiert noch gefragt werden. Fracking ist generell abzulehnen – egal ob es um Schiefergas geht oder um warmes Wasser.“ Gesprengte Gesteinsschichten sind instabil (Erdbebengefahr!) und unser Trinkwasser ist bereits jetzt belastet genug.

Egal wofür die seismischen Messungen durchgeführt werden. Immer sind es Schwingungen, die wie kurze Beben in den Untergrund gesendet werden. Wie bei allen Erschütterungen können auch dabei Schäden verursacht werden. Das Haus von Josef Zihr hat Risse. In einem Gerichtsverfahren wird aktuell festgestellt, ob diese Risse mit den seismischen Messungen in Verbindung gebracht werden können. Seit seinem ersten medialen Auftritt melden sich fast täglich Menschen, die ähnliche Zusammenhänge vermuten. Fotos zur Beweissicherung können einiges an Ärger ersparen. „Es hilft, wenn man weiß, dass man nicht alleine ist. Noch besser ist natürlich, wenn man vorab die OMV einlädt, um den Ist-Stand erheben zu lassen“, rät Josef Zihr. Die OMV hat inzwischen eine Hotline eingerichtet, damit sich Betroffene melden können. Und Josef Zihr ersucht um Veröffentlichung seiner Mailadresse, damit sich Betroffene auch untereinander vernetzen können. Josef.zihr(at)gmx.at

OTS von 2012 über Fracking-Erfahrungen​​


STR Andy Vanek, Bezirksverantwortliche Bettina Bergauer, Bezirkssprecherin Beate Kainz, Vizebürgermeisterin Margot Linke, Josef Zihr